Von Lampaul-Plouarzel nach Le Conquet

Die letzte Nacht habe ich bei einem Ehepaar, 65 plus vermutlich, übernachtet. Gestern als ich ankam, war er gerade den Tennis Match Djokovic – Ruud am schauen. Das Haus ist ziemlich neu und für bretonische Verhältnisse eher modern. Als Mitbewohner haben die beiden einen 13-jährigen Dalmatiner und eine 18-jährige Katze. Als ich heute zum Frühstück kam, war für mich am grossen Esstisch schön gedeckt mit Grossmutter Geschirr.

Nach ein paar Minuten schlurfte auch der „Maître de maison“ in Pantoffeln und einem gestreiften Bademantel heran. Für ihn war am kleinen Tisch, der zur Küchentheke gehört, gedeckt. In solchen Momenten fuxt es mich schon, dass ich nicht besser französisch kann. Irgendeine dumme Bemerkung wäre mir sicher eingefallen. Wer weiss, ist vielleicht besser so. Habe schliesslich gestern schon den Monsieur mit dem Velo leicht irritiert. 🙄🙊

Irgendwann meinte le Monsieur etwas Musik wäre doch schön und schon schaltete Madame das Musikprogramm am Fernseher ein. Tja da herrschen noch andere Sitten. Hoffe sie versauert nicht neben dem Pascha. Sie ist nämlich eine sehr aufgestellte und interessierte Madame. Leider habe ich sie sehr schlecht verstanden. Was mir immer wieder passiert und manchmal geht das mit der Verständigung aber auch ganz gut. Ich glaube herausgefunden zu haben an was es liegt. Der bretonische Dialekt muss es wohl sein. 🤔Habe mich dann herzlich für die Gastfreundschaft bedankt und die beiden wieder ihrer trauten Zweisamkeit überlassen.

Der Nebel von gestern Abend hat sich verzogen.

Kurz darauf bin ich auf dem GR34 auf zwei Damen in meinem Alter gestossen, denen ich in den letzten Tagen immer mal wieder begegnet bin. Diesmal kamen wir kurz ins Gespräch, die eine ist aus Paris und die andere aus La Rochelle. Die beiden hatten das selbe Ziel wie ich – Le Conquet. Man sieht sich da sicher wieder. Die beiden sind immer sehr gemütlich unterwegs.

Vom la Pointe de Corsen hat man eine herrliche Aussicht bis zur Insel Ouessant. Ein junges Paar kam gerade vorbei und machte mich darauf aufmerksam, dass eine Gruppe von etwa 15 Delfinen zu sehen sei. Und tatsächlich zuerst nur die Rückenflossen und plötzlich sah man sie auch aus dem Wasser springen. Zusammen schauten wir ihnen eine ganze Weile zu und freuten uns über jeden Jump. Die Delfine sind weiter gezogen und so auch ich.

🐬 Unscharf, aber erkennbar. 🐬

Nachdem ich gestern durch meine Taxifahrt nicht viel vom Meer gesehen hatte, habe ich es heute umso mehr genossen. Zudem hat sich auch die Landschaft verändert. Anstelle der Dünen führte der Weg nun entlang der Felsenküste mit kleinen Auf und Ab‘s.

Mähen – auch das muss sein. Der Unterhalt des GR34 ist Aufgabe der Gemeinden.

Etwa drei Kilometer vor Le Conquet sind mir zwei junge Frauen und ein Mann entgegengekommen. Es stellte sich heraus, dass die drei aus Udine kommen und eine Woche auf dem GR34 von Brest bis Portsall unterwegs sind. Es war eine sehr herzliche Begegnung, fast als ob wir uns schon ewig kennen würden. Sie schwärmten von der schönen Landschaft und ihrem Ausflug auf die Insel Ouessant. Muss wohl am italienischen Temperament liegen. (Die Franzosen scheinen mir da eher etwas zurückhaltend.) Fast wären wir uns beim Verabschieden noch in die Arme gefallen.

Kurz vor Le Conquet hat es einen sehr schönen Sandstrand – ideal für einen Schwumm.

Die einen schwimmen – die andern fliegen.
Geht doch ………
…… Brücke nach Le Conquet 🤗

Und siehe da in Le Conquet traff ich auch wieder auf die zwei Ladys vom Morgen. Sie sahen allerdings etwas müde aus. Lag wohl daran, dass sie sich nicht im Meer abgekühlt haben. Das ist jeweils sehr erfrischend und lohnt sich.

Kirche von Le Conquet
Der gelbe Baldachin verleiht dem Inneren der Kirche eine ganz spezielle Atmosphäre.

Le Conquet ist die westlicheste Stadt Frankreichs und hat ein sehr futuristisches Hotel. Da hab ich zwar nicht logiert, aber zumindest sehr sehr fein gegessen. Ich war auch nicht die einzige, die alleine essen musste. Neben mir war auch ein junger Herr alleine. So wünschten wir uns gegenseitig bon appétit. Er hat allerdings eine ganze Flasche Wein getrunken, mir hat die Hälfte gereicht und weil die Aussicht so schön war, bin ich bis Sonnenuntergang geblieben. Alles in allem ein wunderbarer Tag mit schönen Begegnungen.

Um 22:00 Uhr ist in Le Conquet niemanden mehr unterwegs ausser ich. 😳

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