
So spät wie heute bin ich noch nie los. Beim Frühstück waren neben dem Paar aus La Chaux-de-Fonds noch zwei junge Frauen aus Rennes, die auch für ein paar Tage entlang des GR34 wandern. Auch heute morgen wurde wieder angeregt geplaudert. Als ich mich dann um 10 Uhr auf den Weg machte, standen alle parat um mich mit vielen guten Wünschen zu verabschieden. Am Gewicht meines Rucksackes waren sie alle sehr interessiert und haben ihn alle mal kurz angehoben und sich gefragt wie schwer er wohl ist. Zwischen 9 und 10 kg müsste er sein, teilte ich den Herrschaften/ Frauschaften mit. Die Hausdame wollte es genau wissen und holte kurzerhand eine Personenwaage. Et voila er war irgendwas zwischen 9 und 10 kg. Jack aus La Chaux-de-Fonds begutachtete noch meine Wanderschuhe und meinte, man sehe dass sie schon ein paar Kilometer hinter sich hätten. Ich beklagte noch, dass sie leider nicht wasserdicht seien. Er klärte mich dann auf, dass die Bezeichnung wasserdicht nichts heisse (habe ich auch gemerkt) es müsse schon Corotex stehen. Tja jetzt isch scho zspat! Die nächsten dann! Übrigens habe mal noch eine halbe Dose Imprägnierungsspray über meine Wanderschuhe gesprüht, hat auch nicht viel gebracht.

Wir wünschten uns dann eine bonne randonnée und ich machte mich endlich auf den Weg!
Der erste Teil des Weges führte schön dem Meer entlag. Doch schon bald ging es etwas landeinwärts weiter und an riesigen Artischocken Felder vorbei.





Eigentlich wäre die heutige Route relativ kurz und einfach gewesen. Der grösste Teil führte mich über asphaltierten Nebenstrassen. Doch irgendwo muss ich eine Abzweigung verpasst haben und so orientierte ich mich nach meinem Komoot App. Da landete ich erst mal in einem sumpfigen Bachbett. Also beschloss ich etwas oberhalb weiter zu gehen, die Richtung stimmte ja. Von einem Weg war schon lange nichts mehr zu sehen. Es war nur noch dichtes Gestrüpp und Bäume die kreuz und quer langen. Teilweise musste ich den Rucksack zuerst untendurch schieben, weil sonst an ein Durchkommen nicht zu denken gewesen wäre. Mein Hauptgedanke: einfach kein Bein brechen sonst vermoderst du hier wie die Bäume. Ich muss wohl nicht erwähnen, dass ich auf diesem Teil niemandem begegnet bin. Nachdem ich mich noch durch Brombeergestrüp gekämpft habe, landete ich wieder auf einer Strasse. Bald schon tauchte auch wieder das erste Wanderwegzeichen auf. Ich konnte also nicht allzu weit vom Weg abgekommen sein. Fazit des heutigen Tages: Auch bei vermeintlich einfachen Strecken kann es abenteuerlich werden.



Mit etwas Verspätung bin ich heil in Tréguier angekommen.

Das Städtchen hat eine grosse Kathedrale und morgen findet das sogenannte Grand Pardon de Saint Yves statt. Offenbar wird zu Ehren von Saint Yves eine grosse Prozession durchgeführt.


Hier noch die Erklärung gemäss Internet wer dieser Yves war:
Einer der eifrigsten Pardons der Bretagne, der am dritten Sonntag im Mai in Tréguier, der Hauptstadt des Trégor in der Region Côtes-d’Armor, stattfindet. Der Schrein mit dem Heiligen Yves, dem Schutzpatron von Tréguier und der Rechtsgelehrte und Beschützer der Armen, wird in einer Prozession getragen.Saint Yves war lange Zeit kirchlicher Richter und erwarb sich hier einen Ruf der Rechtschaffenheit und Güte, der riesige Menschenmengen anzog. Er nahm Kranke und Bettler in seinem eigenen Haus auf, verordnete sich selbst drei Fastentage pro Woche und schlief mit einem großen Stein als Kopfkissen. Er starb erschöpft am 19. Mai 1303 und galt als Schutzpatron der Gesetzeshüter und Beschützer der Armen. Der Grand Pardon wird am dritten Sonntag im Mai gefeiert.
Ich werde heute wie ein Stein schlafen, aber mit einem weichen Kopfkissen.
Gute Nacht Yvonne, Artischocken könnten wir wiedereinmal als Vorspeise»genehmigen», aber drei Fastentage in der Woche wären auch nicht schlecht, bevor es jetzt auf unsere Schiffsreise geht. Mach morgen keine solche Umwege mehr, immer schön auf dem Weg bleiben. Nun gehen wir auch ins Bett, aber mit einem weichen Kissen. Tschüss und schlafe gut. Ursi und Bruno
alles stimmt…. tolle Leute treffen ( die evtl. auch mal etwas leiden), das Wetter stimmt, wunderschöne Gegend (habe ich noch in Erinnerung von der Velotour), ab und zu kleine Abenteuer. Mach weiter so – bonne chance👏👏👏