Von Saint-Malo nach Saint-Lunaire

Heute hiess es Abschied nehmen. René fuhr wieder Richtung nach Hause und ich wandere weiter auf dem GR 34. René fuhr mich noch über das Gezeitenkraftwerk La Race und so hatte ich heute nur 14 km bis Saint Lunaire vor mir. Was mit vollem Rucksack nicht schlecht war zum angewöhnen. Die Strecke war nicht schwierig nur ein leichtes auf und ab immer schön das Meeresrauschen zu meiner rechten. Rund um Dinard konnte ich die schönen Jugendstil Villen aus der Belle Epoque bewundern und in der Ferne sah man Saint-Malo.

Kein Wunder hat es den berühmten Malern hier gefallen. Und wie das so ist, wenn man alleine am watscheln ist, hat man viel Zeit, um sich so über allerlei Gedanken zu machen. Zum Beispiel über Picasso und seine abstrakten Frauen Gemälde. Und da bin ich zu folgendem Schluss gekommen: Wenn man seine Bilder mit denen z. B. von Renoir vergleicht, sind die von Picasso doch viel schneller fertig gemalt gewesen, als die naturgetreuen von Renoir. Ich nehme an der Schwerenöter Picasso hat sich viel lieber mit den Damen am Strand vergnügt, als den ganzen Tag zu malen.

Wie dem auch sei wieder zurück zum heutigen Tag. Der hatte ja noch einiges an Überraschungen für mich bereit. Bereits um die Mittagszeit kam ich in Saint-Lunaire an und wollte eigentlich zuerst mal ein schönes Café suchen, aber da ich nichts auf Anhieb fand, ging ich direkt zu meiner Unterkunft. Und oh Schreck der gute Mann hatte keine Reservierung für mich. Ich zeigte ihm sein Mail und meine Bestätigung, er wurde leicht nervös und rief seine Frau, die in der dazugehörigen Bäckerei war. Auch sie wurde nervös und teilte mir mit, dass sie kein Zimmer mehr frei habe und ein langes Weekend sei und somit alles ziemlich voll. Nun wurde auch ich leicht nervös. Wir sind dann zusammen in die Bäckerei, weil dort die Kundschaft wartete. Also verkaufte sie Brot und telefonierte zwischendurch für eine Ersatzunterkunft. Eine Kundin, beteiligte sich dann netterweise auch noch bei der Suche und fing auch an zu telefonieren. Natürlich erfolglos. Die Bäckersfrau bzw. Hotelfrau meinte dann ihr Mann könne mich auch ins nächste Dorf fahren, falls man hier nichts finden würde. Was ich natürlich sehr gerne in Anspruch genommen hätte. Nachdem ich dem geschäftigen Treiben etwas zugeschaut habe, kam ich zum Schluss: das wird nix. Also nahm ich die Sache selber in die Hand. Ich zeigte ihr zwei Unterkünfte auf dem Handy und sie telefonierte. Die erste war natürlich auch voll aber bereits bei der zweiten hatten wir Glück. Sie fragte mich, ob 90.00 € ok seien, was ich natürlich sofort bejahte. Weil am Strand schlafen ist nicht die beste Idee. Bei Flut ist der Strand dann einfach mal für ein paar Stunden weg. Der Bäcker-Hotelfrau war die Erleichterung anzumerken. Sie nahm meine beiden Hände entschuldigte sich nochmals sehr und gab mir ein Schoggi-Croissant mit auf den Weg. So ging ich also frisch gestärkt die 500 Meter weiter zu meiner neuen Unterkunft. Und wer meint die Geschichte sei nun zu Ende hat sich getäuscht. Ein Ehepaar in etwa meinem Alter erwartete mich schon. Ich wurde sehr freundlich empfangen und man zeigte mir meine Bleibe. Die besteht aus einem hübschen Hausteil mit Küche zwei Schlafzimmern (hätte also noch Platz, wenn jemand Lust hat) einem Sitzplatz und einem Balkon im ersten Stock, also recht feudal. Sie erklärten mir alles rund um Saint-Lunaire und fragten mich wohin ich morgen weiter gehe. Der gute Mann erklärte mir dann ich könne bei Ebbe gut die Abkürzungen in den Buchten nehmen und gab mir auch noch eine Gezeiten Tabelle. Bei der ich natürlich nicht drauss kam. So im ersten Moment fand ich die Idee mit der Abkürzung schon sehr verlockend. Aber ich hörte bereits René’s Rat: nimm keine Abkürzungen das kommt meistens nicht gut. Also beschloss ich das Touristenbüro aufzusuchen und dort eine Zweitmeinung einzuholen. Als ich ihr mein Anliegen unterbreitete machte sie grosse Augen und erklärte mir, dass sei viel zu gefährlich, das gehe auf keinen Fall. Hatte ich’s mir doch gedacht, also nix mit abkürzen eher Bus oder Taxi, wenn‘s zuviel wird. Fazit des heutigen Tages: immer zuerst die Unterkunft aufsuchen falls es mit der Buchung doch nicht geklappt haben sollte, bleibt noch genug Zeit für Alternativen. Und bezüglich Ratschläge für Abkürzungen immer einen double Check machen. So das war für heute hoffentlich genug Aufregung, jetzt noch einen feinen Znacht – Tisch habe ich bereits reserviert und kontrolliert, ob sie den Namen auch wirklich richtig eingetragen hat.

Hier noch das Naturbasin von Dinard
Immer wieder Blumen am Wegesrand

7 comments

  1. Uhhh, das ist etwas viel Aufregung 😅 aber du hast es mit Bravour gemeistert und eine schöne Bleibe für 1 Nacht gefunden 🥳 es sind tolle Bilder von einer atemberaubenden Landschaft.
    Schlaf guet und liebi Grüess
    Ursula 😘🐞🍀

  2. Eine fröhlicher Tag dem noch viele folgen werden. Wird nicht langweilig mit Dir liebe Yvonne und als Frau der Tat, hauen Dich überbuchte Unterkünfte nicht aus den Socken und kannst Dir ausmalen, was die wunderbare Landschaft mit Künstlern anstellt. Danke für die wunderbaren Bilder und Deine Berichte. Weiterhin, tous le bon, Susi

  3. Heiei, was du alles erläbsch isch ja verruckt. Und alles uf französisch, voll krass. Ich wünsche dir e gueti Nacht und morn en neue wunderbare Tag.

  4. super Yvonne, gut durchgeschlagen. Es bleibt immer ein Türchen für Alternativen offen…..und auch klar – shit happens. Das sind letztendlich die Erinnerungen. Ich könnte dir auch einen Schlafsack und Zelt „Poste restante“ senden. Musst einfach noch den Ort angeben, wo wieder sämtliche Herbergen überfüllt sind🤣🤣🤣 Cheers und weiterhin toi, toi, toi. I admire you👌👌👌👌

  5. Liebe Yvonne vielen herzlichen Dank für die wunderschönen Bilder. Wir sind heil froh, dass alles was Du heute erlebt hast sich noch zum Guten gewendet hat. Wir haben erbarmen mit Di,r dass Du schon am ersten Tag alleine so untendurch musstest, aber wie wir Dich kennen, haut es Dich nicht so schnell aus den Socken.
    Schlaf gut und träume von einem schöneren Tag.
    Liebe Grüsse Ursi und Bruno

  6. Liebe Yvonne,

    Das war ja Abenteuerlich das gleiche war mir und Ernst passiert.Die Gastgeberin hat für uns ein Zimmer privat gefunden .😂Solche Storys bleiben natürlich.Herzlichen Dank für den ausführlichen Berricht.

    Herzliche Grüsse Edith😘😘🏃‍♀️🏃‍♀️

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