
Sonntag und ein sonniger, wolkenloser Tag.
Bereits nach wenigen Metern führte der GR34 durch die Dünnen von Keremma – der grösste Dünnengürtel der Bretagne. Eine ganz andere Szenerie!


Der eigentliche Weg hätte hinter den Dünnen durchgeführt ohne Sicht auf‘s Meer, aber man konnte es hören. Und so nahm ich die nächste Abzweigung und ging über die Dünne zum Strand.

Diese Kilometer langen Strände sind immer wieder sehr eindrücklich.


Nach den Dünnen führte der Weg an Sumpfgebiet vorbei, welches Lebensraum für viele Vogelarten bietet. Offenbar auch für den Eisvogel – auf französisch „le Martin Pêcheur“. 😂 Habe leider keinen gesehen.







In Brignogan-Plages machte ich eine längere Mittagspause und bin dann gemütlich zu meiner Unterkunft in Menmeur gewandert. Dort liess man mich, oh Wunder, bereits eine halbe Stunde früher ins Zimmer. 😉 Menmeur ist nur ein kleiner Weiler, aber heute war richtig was los. Gleich nebenan wurde ein Pub eröffnet.
Diese Mosaik-Augen sind mir schon öfters aufgefallen. Ein älterer Herr hat mir mal erklärt, dass ein Künstler sie an diversen Orten angebracht habe. Eine spezielle Bedeutung sollen sie aber nicht haben meinte er. Das konnte ich allerdings nicht so recht glauben und habe folgende Geschichte im Internet gefunden:
Die Augen von Pierre Chanteau
Pierres Kunst entsteht ausschließlich aus recycelten Materialien. Die Augen bestehen aus alten Keramikscherben, abgeschnittenen Flaschenköpfen und einem aufgeschnittenen Elektro Isolator.
Die Geschichte des über die Seefahrer wachenden Auges reicht bis weit zurück ins Altertum. Zu jenen Zeiten wurden Schiffe als lebende Wesen empfunden, die natürlich auch Augen brauchten, um ihren Weg durch die endlose Weite des Meeres zu finden.
Die Augen auf dem Bug der Schiffe sollten ihnen aber nicht nur den rechten Weg weisen, sie sollten die Besatzung auch vor Seeungeheuern, Unheil und sogar vor dem bösen Blick schützen. Schon zur Zeit der Minoer und Mykener (etwa 1600 bis 1200 v. Chr.) stach kaum ein griechisches Schiff in See, ohne durch ein Auge am Bug gegen den „Bösen Blick“ von Feinden, Geistern oder Göttern geschützt zu sein.
Für Pierre Chanteau liegt das Finistère im globalen ‚Schiff Europa‘ ganz vorne am Bug und so war hier für ihn der ideale Ort, um Augen über die Küste wachen zu lassen.
In seinem Atelier ließ Pierre 113 Augen aus Recycling Materialien entstehen und bedachte jede der 113 Küstengemeinden und Inseln des Finistère mit einem seiner Kunstwerke. Sein einziger Anspruch an die Gemeinden: Die Erlaubnis des jeweiligen Bürgermeisters, eines seiner Augen an einem Punkt der Küstenlinie der jeweiligen Gemeinde anzubringen. Sei es auf einem Wellenbrecher, einer Mole, einer Kaimauer oder an einem Gebäude in direkter Linie zum Meer.
Die Augen von Pierre findet man immer dort, wo der Mensch in direkten Dialog mit dem Ozean tritt.
Vom 21. Dezember 2018 bis zum 21. Dezember 2019 (er wählte absichtlich jeweils den Tag der Winter-Sonnenwende) begab sich Pierre auf seine Reise entlang der rund 1200 Kilometer Küstenlinie des Finistère und auf die vorgelagerten Inseln.
Oft konnte er nur bei Niedrigwasser arbeiten, denn bei Flut wurde sein Arbeitsplatz vom Wasser des Atlantiks verborgen. Pierre kann heute unzählige Geschichten erzählen von seiner Reise entlang der Küste, genau genommen hat eigentlich jedes einzelne Auge seine besondere Geschichte, eine Begebenheit, eine nette Begegnung, ein besonderes Erlebnis im Zusammenhang mit seiner Anbringung auf der Küste.
‚Serr-lagad – Taol-lagad‘
(Bretonisch für: ‚Augenzwinkern – Augenblick‘)
Viele seiner Augen hat Pierre so angebracht, dass sie mit Ebbe und Flut spielen, sie tauchen auf, sie verschwinden wieder, sie bieten uns ein Augenzwinkern, nur für einen Augenblick, im Rhythmus der Gezeiten.
‚Serr-lagad-Taol-lagad‘ heißt auch das Büchlein von Pierre Chanteau, in dem er in Zusammenarbeit mit den Fotografen Jean Marc Nayet, Philippe Grincourt und Georges Groz eine Rundreise zu den 113 Augen des Finistère entstehen läßt.
Das Büchlein ist eine Einladung zur Suche nach den Augen auf der Küste des Finistère, denn es gibt zwar für jeden Ort ein Foto des jeweiligen Auges, aber nie den genauen Platz, an dem sich das Auge befindet.
Mit den Einnahmen aus dem Verkauf des Buches unterstützt Pierre die Seenotretter derSNSM und der SOS-Méditerranée.
Aug in Aug mit den mineralischen Augen des Finistère. Manchmal ist es nur ein Augenzwinkern für einen Augenblick zwischen den Gezeiten, manchmal ist es ein intensiver Blick weit über den Ozean. Immer aber ist es eine Hommage an die, die ehrenamtlich ihr Leben riskieren, um Seefahrer aus größter Not zu retten.
Pierres Augen auf der Küste des Finistère sind für ihn wie Kinder und wann immer er in der jeweiligen Gegend ist, besucht er sie und schaut, ob alles in Ordnung ist. Die Kräfte des Atlantiks setzen manchen Augen zu, sie müssen ausgebessert, im Notfall sogar ersetzt werden. Sollten Sie auf Ihren Wanderungen ein beschädigtes Auge finden, so freut er sich über eine kurze Nachricht.
Eine schöne Geschichte – mal schauen ob ich noch weitere Augen entdecke.


Die Dünen sind unglaublich eindrücklich und wundervoll, wie in einem fernen Land. Die Geschichte der Augen ist mega spannend. Hoffentlich entdeckst du noch viele Augen. Liebe Grüsse Gaby